Die Nummer Eins der Stadt sind wir!

Was für ein unglaublicher und denkwürdiger Tag! Wir haben es tatsächlich geschafft! Wir haben das Derby gegen diese blaue Söldnertruppe gewonnen, die sich immer zu höherem berufen fühlt und dabei immer kläglich an den eigenen Ansprüchen scheitert. Nach einem für den hsv schon glücklichen Unentschieden am Millerntor haben wir mit dem 1:0 am Stadtrand die Erwartungen aller Blauen auf den Kopf gestellt. Ein trotz unglücklicher Umstände bis auf den Polizeieinsatz in der Gästekurve perfekter Tag. Derby am Mittwochabend um 18:45 Uhr macht eben einfach weniger Spaß als ein Wochenendtermin, an dem alle den Tag miteinander verleben können, die Stimmung langsam steigt, man sich heiß redet und auch nach dem Spiel noch viel los ist. Ein paar Eindrücke werden uns wohl noch lange begleiten und der 16.2.2011 hat sich seinen Platz in den braun-weißen Geschichtsbüchern redlich verdient. Es folgen ein paar Erinnerungsfetzen und Gedanken zu einem Tag, der uns alle verrückt gemacht hat:

Ein Teil der organisierten St. Paulianer traf sich an den Landungsbrücken, um von dort gemeinsam in Richtung Volkspark aufzubrechen. Da waren wir für reine Mundpropaganda schon richtig viele. Othmarschen, Busse, pünktlich am Stadion, rein. Ultras und nahe Gruppen über alle Blöcke verteilt und voller Vorfreude. Schon vorher war klar, dass Bene im Tor stehen würde. Eine tolle Geste von Stanislawski, die vielleicht nicht nur als Geschenk an Bene, sondern auch als Geste an die Fans verstanden werden kann. Ich mag unsere Mannschaft, ich liebe es, dass sich viele mit Sankt Pauli identifizieren, aber Bene im Tor hat trotz großer Bedenken, ob er Kessler ersetzen kann, noch mal ein Stück mehr das Gefühl vermittelt, dass wir alle gemeinsam gegen die Bauern aus der Vorstadt und ihre verwöhnten Versager-Millionäre stehen.

Der hsv war über weite Teile des Spiels überlegen, vermochte es aber nicht, seine Überlegenheit zu Toren zu machen. Da waren schon bange Minuten dabei, als St. Pauli Fehlpass nach Fehlpass produzierte und man davon ausgehen musste, dass ein Tor für die Blauen nur eine Frage der Zeit wäre. Die Statistiken über den Ballbesitz und Fehlpassquoten waren auch nicht sonderlich ermutigend und St. Pauli kam nur ganz langsam besser ins Spiel.

Stimmung mit so vielen Leuten in einem fremden Stadion immer eine Sache für sich, aber ging schon klar, denke ich. Einige Leute in der Gästekurve scheinen wirklich keine Ehre zu haben, bei so einem Spiel die ganze Zeit dumpf und schweigend herumzustehen, aber geschenkt. Generelles Problem und vor dem Hintergrund was wir gestern erleben durften auch völlig zu vernachlässigen.

Choreos gab’s auch. Sankt Paulis Kurve mit unzähligen braun-weißen Fahnen. Ich fand es einfach richtig gut und klassisch. Die hsver hatten auch was vorbereitet. Thematisch eher langweilig, aber sah schon nett aus mit irgendeinem Folienzeug.

Um 19:10 Uhr und später dann Feuerwerk in der Gästekurve an verschiedenen Stellen. Nichts davon wurde auf den Platz geworfen und das Spiel wurde nicht beeinträchtigt. So sollte Pyrotechnik eingesetzt werden. Man könnte durchaus noch mal kritisch die Abstimmung innerhalb des Gästeblocks diskutieren, und auch, ob das nun wirklich in der Verteilung so toll aussah, aber auch das an diesem Abend geschenkt. Dass das mal wieder nicht allen gefallen hat ist eine Binsenweisheit und wird solange zum Konflikt sind, solange man nicht akzeptiert, dass es niemals möglich sein wird, mit allen möglichen Leuten auf jedem Gebiet einen Konsens zu entwickeln. Da stößt ein soziales Gebilde wie eine Fanszene naturgemäß an seine Grenzen. Das Ergebnis kann niemals die Summe aller Erwartungen sein. Mir gefallen auch so viele Sachen und Verhaltensweisen an so vielen Leuten in unserer Fanszene nicht – tja, da muss und kann ich mit leben. Der gemeinsame Nenner ist eben klein und kann trotzdem die Grundlage für ein gemeinsames Verständnis sein. Vielleicht wäre ein bisschen mehr Gelassenheit auch bei einigen anderen Fans angebracht.

„Was ist das für eine Aktion des Inzuchts-Bullen-Gesindels“, fragte jemand gegen Ende der ersten Halbzeit. Tja, gekränkte Eitelkeit gepaart mit einem Hass auf St. Paulis Fans, alles legitimiert von der angeblichen Sorge um „Sicherheit“ und angeleitet von einem Zivi, der die Gelegenheit nutzte, auch mal der Sieger zu sein. Gegen Ende der ersten Halbzeit, weit nach jeder Pyro-Verwendung betrat die Polizei den Gästeblock und den Rang darüber und prügelte sich bis nach unten durch. Ziemlicher Ärger, panisch über Zäune Flüchtende und viele, viele Verletzte durch Quetschungen, Fans bei Sanitätern, Pfefferspray und Faust- und Knüppelschläge waren die Folge. Bullen mit Blut an Visier und Fäusten schlugen und beleidigten alle, die sie bekommen konnten und richteten sich im Gästeblock ein. Im weiteren Verlauf wurden die Fahnen abgenommen und viele Leute verließen den Stehplatzblock. Wer hat schon Lust, das Spiel der Spiele neben so einer Brut zu verbringen? Einige randalierten im Umlauf, andere sammelten sich vor dem Stadion, viele drängten sich in andere Blöcke oder in den oberen Rang. Die Bullen blieben bis zum Abpfiff im Gästeblock und wenn sie nicht wegbeordert wurden, dann stehen sie dort wahrscheinlich jetzt noch und warten auf weitere Befehle. Haut einfach ab, und jeder wäre noch zufriedener, als wir es eh gestern schon waren.

Nach dem Tor brach überall der kollektive Wahnsinn aus und die Zeit bis Spielende konnte nicht schnell genug vergehen. Etliche gute Szenen des hsv und vier Minuten Nachspielzeit zehrten an den Nerven jedes Braun-Weißen, aber irgendwann war es geschafft. Unfassbarer Jubel, Freudentränen – das Klischee der sich in den Armen liegenden Fremden wurde Realität und so manch einer hat wohl noch immer nicht verstanden, was da gestern passiert ist.

Die Rückfahrt, auf der ein paar Bauern sich mit ihren Scheiß-St.Pauli-Schals lächerlich machten durften, endete auf der Reeperbahn mit ein paar Frotzeleien vor dem Albers-Platz und einem tollen Freudenumzug durchs Viertel. Vor dem Jolly fanden die üblichen Polizeifestspiele statt, denn wer einmal aus der Kaserne rausgelassen wird, der möchte sich natürlich auch zeigen. Wasserwerfer, sogar das neueste Modell, Reiterstaffeln und weiteres Gelumpe standen sich gegenseitig auf den Füßen und beobachteten eine Szenerie, die eher an ein Straßenfest erinnerte. Einfach alles super.

Was bleibt aus Fansicht sonst noch? Ein Battle der Fangruppen hat meiner Wahrnehmung nach, natürlich auch durch den Polizeieinsatz, nicht so richtig stattgefunden. Ich habe erst spät gemerkt, dass Chosen Few und Umfeld überhaupt Spruchbänder gezeigt haben, da man die da oben in der hinterletzten Ecke ja üblicherweise gar nicht wahrnimmt. So erinnere ich nur eins aus deren Richtung. „Saufen, Ficken, Beulen – eure Realität jetzt im Kino“ als Anspielung auf den Gegengeraden-Film. Da kann ich nur sagen: Ja! Genau so ist es! Vielleicht finde ich ja auf Bildern noch weitere Dinge, da hatten die Blauen vor ein paar Jahren ja manchmal ganz witzige Dinger.

Es bleibt die absolute Glückseeligkeit. Gerald Asamoah hat sich und das gesamte Team mit seinem Kopfballtor unsterblich gemacht. Noch in vielen Jahren wird man sich von diesem Tag und von dieser Hamburger Stadtmeisterschaft erzählen. Hamburg war, ist und bleibt auf ewig braun-weiß.

Und zu anderen Vorkommnissen fällt mir nur eine Zeile aus einem alten Lied ein: „Für dieses Getier keine ehrlichen Flinten! Den Strick und einen Tritt von hinten!“

FORZA SANKT PAULI


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Und noch ein paar Links, die mir heute so begegnet sind. Wenn ihr weitere gute Links zu interessanten Artikeln, Videos, Bildern oder sonstwas findet, dann postet sie gerne als Kommentar.

  • Jaaaaaaaaaaaaaaaaaaa!²
  • Public Viewing am Millerntor für die ohne Karten.
  • Dein hsv von Stadtkinde als Parodie auf Mein hsv von Heimatkind.
  • Wer es mit der Seriösität nicht so genau nimmt, der berichtet nicht über die grandiose Schlacht unserer Mannschaft und über ein Denkwürdiges Derby, sondern der fasst den Tag so zusammen: Polizei im Großeinsatz – Mehrere gewaltbereite Fans festgenommen – Reiterstaffel aus Hannover im Einsatz – Mehrere Polizisten bei Rangeleien verletzt . Hahahaha, wie sensationsgeil kann man sein.

  • 4 Antworten auf „Die Nummer Eins der Stadt sind wir!“


    1. 1 Prinz_Pommes 18. Februar 2011 um 17:30 Uhr

      Ja, war echt süss wie Malte,Sören & auch Torben schön Hand in Hand mit den Cop´s 60 min. in einem Block standen.
      Daum hoch!

    2. 2 afterchanges 19. Februar 2011 um 1:35 Uhr

      @prinz_pommes:
      Ach Rostock, wie putzig. Viel Spaß in Unterhaching!

    3. 3 Anonymous 29. März 2012 um 18:54 Uhr

      ne

    1. 1 Hamburg ist braun-weiß « After changes we are more or less the same Pingback am 17. Februar 2011 um 23:37 Uhr
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