Generalstreik in Griechenland am 15.6.2011

Generalstreik

Mehrere zehntausend Demonstranten haben während eines erneuten Generalstreiks in Griechenland das Parlament belagert, alle Zufahrtswege blockiert und so gegen die drastischen Sparpläne der Regierung protestiert. Bereits am frühen Morgen strömten viele Leute auf den zentralen Syntagma-Platz vor das Parlament in Athen. Das ganze Land stand still, nachdem die großen Gewerkschaften zum erneuten Streik aufgerufen hatten. Auch in den Häfen ging in aller Regel nichts mehr. Es entwickelten sich im Laufe des Tages schwere Kämpfe, als die Polizei versuchte, den Sturm des Parlaments zu verhindern und den Politikern einen Weg ins Innere zu ermöglichen. Einige Politiker wurden von der wütenden Menge angegriffen, und das Auto des Ministerpräsidenten wurde dabei mit Früchten und anderen Gegenständen beworfen. Die Wut vieler Menschen ist grenzenlos, dass diejenigen, die die Krise verursacht haben, die Banken, die Kapitalisten und die Politiker, sich nun scheinbar zurücklehnen und das Volk die Zeche für ihre Spielchen zahlen lassen wollen. Insbesondere auch die Angestellten des Staates gingen entschlossen zur Sache und viele versuchten, ins Parlament zu gelangen. Dass nun auch noch die legitimen Wünsche der Menschen nach einer sicheren Existenz und die Gewerkschaften, die in einem dreckigen System zumindest noch für ihre Interessen kämpfen, jetzt von Teilen der politischen Kaste zum Problem gemacht werden sollen, hat zusätzlich Stimmung in die Situation gebracht.

Ministerpräsident Papandreou von der regierenden sozialdemokratischen PASOK hat nach dem starken Druck angekündigt, sein Kabinett umzubilden und dann die Vertrauensfrage zu stellen. Diskussionen um eine große Koalition mit der konservativen Partei Nea Dimokratia sind in der letzten Zeit im Sande verlaufen, da sich beide Parteien nicht über einen Kurs einig werden konnten. Klar, dass die Opposition jetzt Neuwahlen fordert und ihre Chance auf die Übernahme der Regierungsgeschäfte wittert.

Die Demonstranten sahen sich teilweise frappierender Polizeigewalt ausgesetzt. Mit Tränengas und Schlägen wurde mal wieder nicht gespart. Es wurde in den vergangenen Monaten wieder so viel Gas gegen die Menschen eingesetzt, dass die griechische Polizei Berichten zufolge Probleme mit dem Nachschub bekam und wie in der Vergangenheit bereits öfters geschehen neue Granaten aus Israel geordert hat. Dort sind die Sicherheitskräfte ja auch sehr freigiebig damit, wenn es darum geht, protestierende Menschen mit dem Scheiß-Zeug zu beschießen und haben anscheinend noch große Reserven. Den ganzen Tag kam es zu Überfallen auf und Verschleppungen von Demonstranten, immer wieder durch die Motorradeinheiten der Polizei (Beispiel). Die Tiere auf den Motorrädern sind leider sehr agil. Außerdem wurde eine medizinische Erste Hilfe-Station, die zur Versorgung von Opfern auf dem Syntagma-Platz aufgebaut worden war, von den Bullen mit Chemikalien angegriffen.

Des Weiteren kam es am Rande der Großkundgebung immer wieder zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen Linken und Faschisten. Es gibt viele Berichte von Undercover-Bullen, die die Ausschreitungen in gewissen Situationen gezielt angeheizt haben sollen. Bei einem Molotow-Werfer wurde während seiner Festnahme ein Polizeiausweis gefunden, bevor er hektisch abtransportiert wurde.

Griechenland befindet sich noch immer in der aktuellen Gefahr einer völligen Pleite und Europa und IWF diskutieren ja aktuell, wie ein weiteres Hilfspaket aussehen könnte beziehungsweise an welche Bedingungen es geknüpft werden sollte. Hinzu kommen die schlechten Bewertungen der unsäglichen und durch nichts legitimierten internationalen Rating-Agenturen. Die Einschnitte für die Bevölkerung sind radikal, die Wut auf Banken, EU und IWF ist riesig.

Hier kann man einen Live-Ticker nachlesen.

Überblick über Auseinandersetzungen
Leute versuche an vielen Stellen, in das Parlament zu kommen.

Bilderserie. Es werden 71 echt richtig gute, vielsagende und beeindruckende Bilder gezeigt.

Eindrücke vom Tag:
Gesammelte Eindrücke
Mehr gesammelte Eindrücke
Angriff der Bullen am Syntagma-Platz

Videos:
Syntagma-Platz
Bullenschweine
Eindrücke vom Tag

Natürlich gibt’s noch tausende weitere Videos und Informationen, und natürlich war auch in vielen anderen Städten Griechenlands was los, aber ich denke, das reicht für einen groben Überblick.

Ich schließe mit der Frage: Wer möchte im Luxushotel einchecken?

UPDATE: Nochmal 22 Minuten Eindrücke auf Youtube.