17. November – 38 Jahre danach

Am 15. November 1973 begann der in der Polytechnischen Hochschule im Zentrum von Athen von Studenten organisierte Aufstand gegen die seit 1967 agierende faschistische griechische Militärregierung. Die Studenten besetzten die Hochule, sicherten das Gebäude und installierten einen Radiosender, der die Bevölkerung Athens zum Aufstand aufrief. Das Polytechnio wurde so in diesen Tagen zum Zentrum des Widerstands und tausende Menschen folgten dem Aufruf, schlossen sich dem Kampf an und unterstützen die Besetzung in einer Zeit, in der es auch persönlich viel Mut erforderte, den offenen Konflikt mit dem von einer rechten Militärregierung geführten Staat zu suchen. Am 17. November 1973 wurde die Hochschule von Soldaten und Polizeieinheiten gestürmt. Das symbolträchtigste Bild entstand, als ein Panzer das Eingangstor der Universität ohne Rücksicht auf die Menschen, die sich daran klammerten, niederwalzte (Video der Szene). 24 Menschen kamen im Zuge der Auseinandersetzungen ums Leben. Der griechische Liedermachen Mikis Theodorakis hat das in einem Lied verarbeitet. Als Ergebnis der blutigen Niederschlagung ist damals auch das sogenannte universitäre Asyl entstanden. Es wurde in der Verfassung des Staates verankert und garantierte allen, die sich auf dem Geländer einer Universität befinden, Schutz vor Strafverfolgung. Es war staatlichen Ordnungskräften nicht gestattet, irgendeine Universität in offizieller Funktion zu betreten, was dazu führte, dass es einen ständigen Rückzugsraum und Schutz vor staatlicher Repression gab. Der Geist sollte sein, dass eine Gesellschaft Räume benötigt, in denen sich politische Ideen frei entwickeln können. Erst vor einigen Monaten wurde das universitäre Asyl aufgeweicht und nun am 17.11. von der Polizei gebrochen.

Der 17. November ist in Griechenland ein Feiertag. Jedes Jahr wird der Ereignisse in großem Rahmen mit beeindruckenden Gedenkveranstaltungen und Demonstrationen gedacht – nicht nur in Athen, sondern auch in anderen griechischen Städten. Über den ganzen Tag kommen die verschiedensten Menschen zum Polytechnio, legen dort Kränze ab und gedenken der Opfer. Von Krankenhäusern über Kindergärten, Schulen, Universitäten, Vereinigungen – die Liste derjenigen, die Blumen ablegen und über die die ganze Straße beschallende Lautsprecheranlage verlesen werden, scheint endlos.

Im Zuge dessen kommt es auch immer wieder zu Spannungen zwischen einzelnen Gruppen. Es herrscht ein regelrechter Glaubenskrieg, wer Blumen ablegen darf, welcher Gruppe die Kämpfenden und die Opfer von damals angehörten und wer den Faschismus somit also am deutlichesten bekämpft hat. So kommt es beispielsweise traditionell zu Auseinandersetzungen zwischen anarchistischen und kommunistischen Gruppen. Am Ende des Tages startet jährlich eine große Demonstration vom Polytechnio durch die Innenstadt zur amerikanischen Botschaft, wo es in früheren Jahren regelmäßig zu schweren Krawallen kam. Die Demo ist dabei wie so viele Demonstrationen in Griechenland sehr stark in Blöcke unterteilt. Ausschreitungen entwickeln sich zum einen natürlich mit der Polizei, zum anderen aber auch sehr oft zwischen den einzelnen Demonstrationsblöcken.

Schon im Vorfeld des diesjährigen 17. November kam es zu solchen Zusammenstößen. Am 15.11. versuchte die PASP (die Studentenorganisation der sozialdemokratischen PASOK, die in den letzten beiden Jahren regiert hat und nun in einer Koalition weitermacht) ins Polytechnio zu gelangen und wurde von anderen Studenten daran gehindert. Klar, dass das nicht ohne Spannungen ablief.

Der Tag selber verlief wieder einmal massiv und mit großer Beteiligung an den verschiedenen Aktionen.
Kranzniederlegung
Auch Klaus Ernst

Mehrere zehntausend Menschen beteiligten sich an der Kranzniederlegung und den Demonstrationen im Anschluss und forderten einen gerechteren Umgang mit der Krise. „EU und IWF raus!“ war bei vielen die zentrale Forderung. 7000 Bullen waren vom griechischen Staat aufgeboten worden, um die Proteste klein zu halten.

Berichte
Lesenswert und mit Video beim Tagesspiegel

Bilder
Initiative „Ich bezahle nichts“
Der einzige Dialog mit dem Staat
Straßenszene
Straßenszene
Vor der amerikanischen Botschaft
Nochmal vor der Botschaft
Demonstrationszug
AEK-Fans sind nicht einverstanden mit dem, was an der Wand steht

Videos
Übersicht und ein paar Erläuterungen
Bullen brechen das Universitäre Asyl. Wird auch in den Medien deutlich aufgegriffen.
Dafür ist scheinbar noch Geld da…


ERGÄNZUNG

Thessaloniki: Bild 1, Bild 2, Bild 3


1 Antwort auf „17. November – 38 Jahre danach“


  1. 1 obi 21. November 2011 um 14:15 Uhr

    Danke ich wusste nicht dass es ein Universitätsasyl gibt…
    Wie sind denn die Anarchisten dort organisiert? Du sprichst von Blöcken gibt es da eine anarchistische Partei? Was ist mit den Anarchokommunisten??
    Die Berichte über Griechenland sind spitze
    braun-weiße grüße aus dem allgoi
    obi

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